Es geht ja doch alles gut. Bei Figueres fahre ich nochmals von der Autobahn ab, ich will gerne den Tank noch mit günstigerem Spanien-Diesel vollhauen – 90Liter passen rein, passt doch. 100- Die verschneiten Pyrenäenberge rücken ins Bild bei stürmischem Wind.jpg
Dann geht’s über die Grenze, auf spanischer wie französicher Seite Grenzorte mit allerlei Einkaufsmöglichkeiten, irre, dass es das immer noch so gibt, mit diesen Grenz-Märkten und Einkaufs-Dingern wie vor der Schengen-Zeit. Faszinierend, wenn auch nicht so, dass ich aussteigen und mir das besehen müsste. Das Verkehrsaufkommen allein reicht schon.
Dann bin ich also über die Berge rüber -.....
In Fronkreisch erwarten mich immer noch Böen, die grausam am Kästchen rütteln und schütteln – aber auch blauer Himmel und – der Wunsch nach „Ankommen“. Der erste Stellplatz ist geschlossen, aber es gibt mehr, ich komme um diese Jahreszeit kostenfrei unter in Sant Pierre de Mer oder so.....
Einparken. Bier aufmachen. Paaaaahhhhhhh – was für ein Tag. Ich hoffte, das Meeresrauschen zu finden, ich liebe wenig mehr als das Meeresrauschen im Kästchen-Bettchen. Aber - ich höre nur Windböen der grausamsten Art, die am späteren Abend nachlassen. Naja.
Mittelmeer - adieu. Ich weiss, dass wir uns in vier Monaten wohl wiedersehen werden....... wohl an anderer Stelle......
Samstag, 28. Februar 2015
In der Nacht hatte sich der Sturm gelegt, nur noch gelegentliche Böen heulten um die doch zahlreichen Wohnmobile auf dem offiziellen Platz, der im Winter nichts kostet, weil auch das Wasser und alles abgesperrt ist. Aber Parken kann und darf man auch offenbar. Gut so, passt.
Kurz nach acht staffiere ich mich aus, dass ich beinahe unter das Vermummungsverbot falle – ich komme schließlich aus dem Frühsommer und mag mich nicht erkälten. Also. Große Schuhe, Stirnband, Fleecejacke mit großem aufstellbarem Kragen, der das halbe untere Gesicht verdeckt, Goretexjacke drüber, Handschuhe über alles, Fahrrad abladen, auf geht’s. Es hat ein einzelnes trauriges Grad, aber die Sonne kommt schon über den Horizont. Ich radle mal in den unbelebten Ort und sehe mir alles an. 101- Heiliger Meerespeter - Strandpromenade.jpg
100- Die verschneiten Pyrenäenberge rücken ins Bild bei stürmischem Wind.jpg
Vielleicht gibt es ja ein Baguettengeschäft, wo man ein solches erstehen könnte. Aber da schaut alles „dicht“ aus. Aber ca. eineinhalb Kilometer entfernt bauen ein paar Beschicker ein Märktlein auf, oha, da wird auf dem Rückweg noch hingespickt. 104- Das wird wirklich ein kleiner Markt mit gutem Angebot.jpg
Fahre bis Narbonne Plage, sehe von fern die weiß verschneiten Pyrenäenberge im Morgendunst, das Meer ist ganz still geworden, es hat gar nichts mehr von seiner dröhnenden Wildheit von gestern oder vorgestern. Ganz schüchtern rollen die Wellchen an den großen weiten Strand.103- Leuchtturm - moderne Architektur.jpg
102- Das Rad hat Pause - genauso wie der Angler im Hintergrund.jpg
Schöne Morgenstimmung. Ich setze mich auf einen Stein, schaue aufs Meer und überdenke mal wieder dies und das und freue mich, wie gut es mir doch geht. Und wie gut und schön und wirklich wichtig für mich diese Reise wieder war. Und wieviel ich erlebt habe und wie viele wertvolle Menschen ich getroffen habe – und wie einen das alles prägt. Es fühlt sich beinahe an wie der „perfekte Augenblick“, den die wunderbare Elke Heidenreich so eindrücklich am Ende des Buches über die Reise ins Verdi-Italien beschreibt und so herrlich einfühlsam bespricht: Wenn die Luft, das Licht, die Stimmung, die Umgebung, wenn alles passt, und sich dann so ein tiefes Glücksgefühl ausbreitet – das sei der „perfekte Augenblick“.
Bei der letzten Spanienreise waren dies die Momente auf dem Gipfel im Montserrat. Jetzt hier und jetzt. Ich muss der Elke Heidenreich in ihr Gästebuch schreiben und mich bedanken, wie schön und wie gefühlvoll sie das in ihrem Hörbuch erzählt hat, dass es in einem richtig einen Nachhall auslöst.
Mache ich.
Aber erst mal weiter – rückwärts wie gesagt, auf dem kleinen Markt bissi was eingekauft – ob die französischen Tomaten wohl anders sind als die spanischen? Naja, um diese Jahreszeit sind es alles die hartschaligen Samsonite-Tomaten, wie mein Mann immer zu sagen pflegte. Nicht erstrebenswert. Bissi Gemüse wandert aber doch in meine Klickfixtasche vorne am Fahrrad. Und dazu ein – Baguette – vom Gebäckstand. Es ist ein kleines, das schaffe ich heute, habe ja viel vor.
Dann zurückgeradelt zum Stellplatz, erst mal Vespern, damit man gestärkt ist für die weite Fahrt, es gibt Baguette mit Käse, der irgendwie auch nicht so schmeckt, wie man sich das von einem alten Gouda vorstellt. Hatte am Marktstand hier keinen Käse gekauft, weil ich von Spanien noch so viel hatte. War vielleicht ein Fehler. Hm.
Dann fahr ich mal los. Gebe Annecy ein – sind lächerliche 475km, schaumermal. Die Fahrt geht gut, naja, es bläst schon dazwischen immer wieder, hauptsächlich im Rhonetal – geht aber. Kein Vergleich mit dem, was ich auf der Runter- und Gestern-Fahrt erlebt habe. Übrigens hab ich irgendwo mal jemanden gesprochen, der am gleichen Tag wie ich die Franzosenautobahn gefahren war runterwärts, da war sie gesperrt, das war dann so eine bis zwei Stunden, nachdem ich da durch den Sturm bin, ich erzähle also keine Ammenmärchen, sondern da geht’s dann echt zur Sache.
Habe keine Schwyzer Fränckli dabei – und auch keine Lust, irgendwo in der Schweiz für die Nächtigung rund 30Euro abzudrücken – also – hau ich die 4 Stunden durch die Schweiz noch weg oder nicht? Was tu ich um vier Uhr (Navi zeigte 15h an, aber durch die Staus durch die vielen Franzmänner, die zuhauf mit ihren Skikoffern auf den Dächern auf der Autobahn rumstauen, gut verzögert) in Annecy, wenn ich noch fit bin und weiterfahren kann? Klar – weiterfahren.
Ankunft dann in Bregenz genau um 20h, erst mal in die Tankstelle, seit vor der spanisch-französischen Grenze passen nun 115 Liter Diesel rein, geheizt hatte ich auch seither durchgehend damit und nicht wenig, denn ich hasse ein kaltes Kästchen. Auch während der Fahrt läuft bei solchen Temperaturen die Dieselheizung, die darf das, sonst haut mir das Wasser ab. Bin ich zufrieden.
So. Ich fahre noch um die östliche Bodensee-Ecke rum – und parke in Lindau ein. Bayern hat mich wieder.
Servus – weissblauer Himmel, grad bissi schwarz, weil es ja schon nach 20h ist. Schönes Heimatgefühl. Wehmütiges auch – ich hätte gut und gerne noch einen Tag bleiben können in der südlichen Sonne, aber wer will das alles bis zum Schluss ausreizen und sich in Gefahr begeben, dass irgendwas passiert und man nicht rechtzeitig zurück ist? Ich nicht. Einen Tod muss man halt sterben. Ich verabrede mich für Sonntagmittag zum Karpfenessen mit Freunden in meinem Frankenland. Ist schon lange mal wieder fällig.
So - Sonntag auf deutschen Autobahnen ist auch ein Trauerspiel. Für die lächerlichen 230 Kilometer ab Lindau habe ich - sage und schreibe - über vier Stunden gebraucht. Hammer. Da fährt man durch halb Europa in eineinhalb Tagen - und in Deutschland holt einen der Wahnsinn ein. Irre.
Tja – das ist dann auch schon das Ende meiner Februar-Reise, die ganz genau drei Wochen gedauert hat, mir insgesamt rund 4.700km mehr auf dem Tacho beschert hat, von denen immer 100 Kilometer 8,6 Liter Diesel verbraucht haben, Durchschnittsgeschwindigkeit – also über alles, auch Stadtfahrten usw. - 79 km/h – finde ich doch beachtlich!
Und: Ich LIIIIIIIIEEEEEBE mein Kästchen immer mehr, man kann so schön damit fahren, es fühlt sich an wie ein Pkw und wenn manche die Nase hochziehen und verächtlich sagen „hm – Kastenwagen“ - kann ich nur schmunzeln. Ich habe ALLES, wirklich ALLES dabei, was ich brauche in meinem wirklich gut ausgestatteten Kästchen. Diesmal von Langlaufausrüstung bis Poolnudeln, Strandliege, Sonnenschirm, wirklich ALLES. Mehr brauch ich nicht. Und Platz für paar Kästchen Wein oder Sekt ist auch immer noch. Auch keinerlei Gewichtsprobleme, obwohl nur auf 3.300kg zugelassen, obwohl 3.500kg möglich wären. Einfach nur: Genial!
Die nächsten vier Monate wird Kästchen aber mal bissi in den Hintergrund treten und nur als Wohnstatt für mich herhalten, wenn ich gegen Entgelt verreise und im Betriebshof bei uns wohnen werde, der nächste große Auftritt kommt dann Ende Juni bis Anfang August, wenn Kästchen und ich nach Island reisen werden. Ich werde berichten......
Danke fürs Mitreisen.Statistik: Verfasst von Lira — So 1. Mär 2015, 20:54
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