zweie von euch haben beispiele gebracht, bei denen kids (und die sind meines wissens nach noch nicht im wahlfähigen alter - könnte jetzt aber auch an der persönlichen wortwahl liegen) etwas zu den wahlen und parteien zu sagen hatten. das ist ja schön und vielleicht tut sich in einigen schulen wieder was... aber ich rede von den unzähligen jüngeren leuten (damit meine ich durchaus auch die semester bis ca. anfang/mitte zwanzig), die sehr uninformiert sind (dazu hatten wir dann das beispiel berufsschule) - und sich ergo höchstens noch an stammtischparolen klammern können, falls sie nicht anderweitig einen zugang zum thema politik finden (elternhaus etc.). ich behaupte mal, daß wir foristi hier in ziemlich geordneten bahnen leben - und somit auch eure/unsere kiddis... aber nehmt mal eindrücke außerhalb dieses halbwegs behüteten tellerrandes auf. dann wird's mitunter schlagartig gruselig.
wenn gerade in der schule mal das thema politik aufgegriffen wird, ist das ja schön, aber sobald dann das nächste thema auf dem lehrplan steht, ist's das dann auch gewesen. schulen, ganz egal welche, täten gut daran, in gewissen abständen immer mal wieder aktuelle politische themen aufzugreifen und diese zu beleuchten. vor allem, wenn die jugendlichen dann in richtung volljährigkeit steuern. letztlich geht es um lust, sich zu informieren, einen sinn darin zu sehen für sich. ich glaube, damit tun sich viele lehrer leider schwer: den schülern und jungen menschen den sinn von informiertheit zu vermitteln. dann wären wir auch flott beim thema allgemeinbildung. es ist generell erschreckend, wie weit runter die allgemeinbildung mittlerweile ist.
ich hatte das glück einen sehr engagierten deutsch-lehrer zu haben, der uns klarmachen konnte, wie wichtig es ist, zumindest einmal am tag nachrichten gesehen oder eine zeitung gelesen zu haben. lustigerweise ist das eine der aussagen, die mir aus meiner schulzeit am meisten hängengeblieben ist...

aber sie nützt was.
wir wissen alle, daß, je uninformierter menschen sind, sie umso eher manipulierbar werden - beispielsweise auch durch stammtischparolen.
und durch die nummer mit dem wahlomat konnten wir alle sehen, wie dicht fast alle parteien in ihren grundaussagen bzw. hauptforderungen zusammenliegen (wer den thread verfolgt hat, wird sich an die nummer mit den rechten parteien erinnern), aaaber die umsetzung derselbigen, das ist dann der feine unterschied... selbst gestandene und recht informierte leute, wie ich sie hier sehe, waren zuerst mal erstaunt angesichts ihrer wahlomat-ergebnisse in bezug auf die anderen parteien. was ist dann erst der effekt bei jüngeren leuten, die sich ansonsten nicht mit politischen ereignissen auseinandersetzen?
die kritik an den amerikanischen wahlen hab ich selbst mit einbezogen, von wegen da wird dann nach bekanntheitsgrad gewählt... ist mir klar, daß das auch so manche tun. aber auch das ist für mich ok - weil die kandidaten dadurch auch zusätzlich gefordert werden. sollen sie doch gefälligst auch sympathiepünktchen sammeln müssen. sympathiepunkte kann nur sammeln, wer sich um die leute kümmert. wäre ein hübscher nebeneffekt... und ein bißchen charisma hat noch keinem politiker geschadet. gut, das kann man zwar als solches nicht erlernen, aber an einem gewissen engagierten auftreten und beherztheit für seine sache - da kann man durchaus dran arbeiten.
wie das dort drüben mit den wahlhelfern abläuft, daß die menschen das politische gespräch mit nachbarn, bekannten oder wildfremden suchen und man sich austauscht, das finde ich durchaus nachahmenswert. und letztlich kann auch nur dann rein personenbezogen gewählt werden, wenn die inhalte stimmen. auch promis (und das ist ja bei uns nunmal nicht der fall - und bei denen auch nicht gerade an der tagesordnung) werden nur gewählt, wenn ihre ansichten nicht völlig gegen den strich sind. ich glaube, so blöd sind nichtmals die amis.
achim, du hast noch was zur stimmenthaltung geschrieben. du hast ja nicht unrecht damit, aber dann sollte man dafür doch glatt auch noch ein kästchen einrichten, wodurch leute bewußt ihre stimme vorenthalten können - und diese zahlen dann auch veröffentlicht werden. das könnte noch zum nachdenken anregen in den oberen etagen.
auf jeden fall bleibt durch "gar nicht erst hingehen" völlig offen, ob die leutz lieber nen ausflug machen wollten oder ob sie bewußt ihre stimme vorenthalten wollten.
das ist in einer demokratie meiner meinung nach perlen vor die säue werfen.
ich mutmaße, wenn es so ein kästchen auf dem wahlzettel gäbe, wäre die wahlbeteiligung wesentlich höher!
zum thema parteienauswahl: ich persönlich bin auch kein klarer anhänger einer partei, als daß ich die aussagen einer partei durchweg gutheißen würde. wie gesagt, ich kann politische tendenzen wählen. so sehe ich das für mich. und da gibt es so einige tendenzen zur auswahl wie ich finde - so man sich vorher die mühe macht, sich zu informieren. auf jeden fall kann ich mit meiner stimmabgabe versuchen, gewisse tendenzen, die ich keinesfalls gutheiße, zu schwächen oder vielleicht ganz zu stoppen.
diesen grundsätzlich hohen anteil an desinteresse hierzulande - nee, den find ich schon mehr als bedauerlich.
das ist ja nur meine persönliche meinung, die auf meinen ganz persönlichen erfahrungswerten beruht. nur danach kann jeder entscheiden.
als "jammern" betrachte ich die aussagen in diesem thread übrigens nicht - wir tauschen gedanken und standpunkte und erfahrungen aus, die wir uns ganz bewußt machen bzw. gemacht haben. und gerade weil wir uns schon im vorhinein gedanken gemacht haben, sind hier wahrscheinlich auch viele zur wahl gegangen. nein, ich jammere nicht, ich für meinen teil beobachte etwas (und das ja schon mehr als eine wahl lang), das mir sorge bereitet in hinsicht auf gerade dieses privileg der freien meinungsäußerung hierzulande und die wahlmöglichkeiten in einer demokratie.
freie meinungsäußerung ist hübsch - wenn ein nicht gerade geringer teil der bevölkerung überhaupt noch ne meinung zu wichtigen dingen hätte... seufz.
wenn es die menschen nicht mehr interessiert, was in ihrem eigenen land passiert und wo die fahrt hingeht, dann ist das für mich schlicht und ergreifend keine positive entwicklung und für ein land nicht förderlich - und somit letztlich womöglich auch nicht für mich als einzelnem bürger. spätestens dann beißt sich die schlange wieder in die schwanzspitze... und "gedeckelt werden" kann auch umso besser...
vielleicht gründe ich auch die handyklingelton-partei... ich glaub ich hätte prima chancen auf viele stimmen...
lg
dagmar