Lieblingsgedichte

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maxima
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Lieblingsgedichte

Beitrag von maxima »

Ich bin eine große Lyrikfreundin und würde mich freuen, wenn Ihr mir Eure Lieblingsgedichte verraten würdet!
Ich fang mal an mit einem meiner Lieblingsgedichte:

Aus der Harzreise (1824)
Prolog

Schwarze Röcke, seidne Strümpfe,
weiße, höfliche Manschetten,
Sanfte Reden, Embrassieren -
Ach, wenn sie nur Herzen hätten!

Herzen in der Brust, und Liebe,
warme Liebe in dem Herzen -
Ach, mich töte ihr Gesinge
Von erlognen Liebesschmerzen.

Auf die Berge will ich steigen,
wo die frommen Hütten stehen,
Wo die Brust sich frei erschließet
und die freien Lüfte wehen.

Auf die Berge will ich steigen,
Wo die dunklen Tannen ragen,
Bäche rauschen, Vögel singen,
Und die stolzen Wolken jagen.

Lebet wohl, ihr glatten Säle,
Glatte Herren, glatte Frauen!
Auf die Berge will ich steigen,
Lachend auf euch niederschauen.

Heinrich Heine (1797 - 1856)

(Embrassieren: veraltet für "Umarmen", "Küssen")
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Re: Lieblingsgedichte

Beitrag von Cruiser »

Westfalenlied

Ihr mögt den Rhein, den stolzen, preisen,
Der in dem Schoß der Reben liegt;
Wo in den Bergen ruht das Eisen,
Da hat die Mutter mich gewiegt.
Hoch auf dem Fels die Tannen steh'n,
Im grünen Tal die Herden geh'n,
Als Wächter an des Hofes Saum
Reckt sich empor der Eichenbaum.
Da ist's wo meine Wiege stand,
O grüß dich Gott, Westfalenland!

Wir haben keine süßen Reben
Und schöner Worte Überfluß,
Und haben nicht sobald für jeden
Den Brudergruß und Bruderkuß.
Wenn du uns willst willkommen sein,
So schau auf's Herz, nicht auf den Schein,
Und sieh' uns grad hinein ins Aug!
Gradaus, das ist Westfalenbrauch,
Es fragen nichts von Spiel und Tand,
Die Männer im Westfalenland.

Und uns're Frauen, uns're Mädchen,
Mit Augen blau wie Himmelsgrund,
Sie spinnen nicht die Liebespfädchen
Zum Scherz nur für die müß'ge Stund.
Ein frommer Engel hält die Wacht,
In ihrer Seele Tag und Nacht,
Und treu in Wonne, treu im Schmerz,
Bleibt bis zum Tod ein liebes Herz.
Glückselig, wessen Arm umspannt,
Ein Mädchen aus Westfalenland!

Behüt dich Gott, du rote Erde,
Du Land von Wittekind und Teut!
Bis ich zu Staub und Asche werde,
Mein Herz sich seiner Heimat freut.
Du Land Westfalen, Land der Mark,
Wie deine Eichestämme stark,
Dich segnet noch der blasse Mund
Im Sterben, in der letzten Stund!
Du Land wo meine Wiege stand,
O grüß dich Gott, Westfalenland


Emil Ritterhaus
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Re: Lieblingsgedichte

Beitrag von Gimli »

Das Niedersachsenlied
Herman Grote, 1934


Von der Weser bis zur Elbe, von dem Harz bis an das Meer,
stehen Niedersachsens Söhne, eine feste Burg und Wehr.
Fest wie unsere Eichen halten alle Zeit wir stand,
wenn Stürme brausen übers Deutsche Vaterland.
Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukind Stamm.

Wo fielen die römischen Schergen? Wo versank die welsche Brut?
In Niedersachsens Bergen, an Niedersachsens Wut.
Wer warf den röm'schen Adler nieder in den Sand?
Wer hielt die Freiheit hoch im Deutschen Vaterland?
Das war'n die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukind Stamm.

Auf blühend roter Heide starben einst vieltausend Mann,
für Niedersachsens Treue traf sie der Franken Bann.
Vieltausend Brüder fielen von des Henkers Hand,
vieltausend Brüder für ihr Niedersachsenland.
Das war'n die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukind Stamm.

Aus der Väter Blut und Wunden wächst der Söhne Heldenmut.
Niedersachsen soll's bekunden: Für Freiheit, Gut und Blut!
Fest wie unsere Eichen halten alle Zeit wir stand,
wenn Stürme brausen übers Deutsche Vaterland.
Wir sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen,
Heil Herzog Widukind Stamm.
maxima
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Re: Lieblingsgedichte

Beitrag von maxima »

[mod]Auf Wunsch der/des Verfasserin/Verfassers entfernt.[/mod]
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Re: Lieblingsgedichte

Beitrag von Gimli »

Address To A Haggis

Fair fa' your honest, sonsie face,
Great chieftain o' the puddin-race!
Aboon them a' ye tak your place,
Painch, tripe, or thairm:
Weel are ye wordy o' a grace
As lang's my arm.

The groaning trencher there ye fill,
Your hurdies like a distant hill,
Your pin wad help to mend a mill
In time o' need,
While thro' your pores the dews distil
Like amber bead.

His knife see rustic Labour dight,
An' cut you up wi' ready sleight,
Trenching your gushing entrails bright,
Like ony ditch;
And then, O what a glorious sight,
Warm-reekin, rich!

Then, horn for horn,
they stretch an' strive:
Deil tak the hindmost! on they drive,
Till a' their weel-swall'd kytes belyve,
Are bent lyke drums;
Then auld Guidman, maist like to rive,
"Bethankit!" 'hums.

Is there that owre his French ragout
Or olio that wad staw a sow,
Or fricassee wad mak her spew
Wi' perfect sconner,
Looks down wi' sneering, scornfu' view
On sic a dinner?

Poor devil! see him ower his trash,
As feckless as a wither'd rash,
His spindle shank, a guid whip-lash,
His nieve a nit;
Thro' bloody flood or field to dash,
O how unfit!

But mark the Rustic, haggis fed,
The trembling earth resounds his tread.
Clap in his walie nieve a blade,
He'll mak it whissle;
An' legs an' arms, an' heads will sned,
Like taps o' thrissle.

Ye Pow'rs wha mak mankind your care,
And dish them out their bill o' fare,
Auld Scotland wants nae skinking ware
That jaups in luggies;
But, if ye wish her gratefu' prayer,
Gie her a haggis!


Robert Burns
(* 25. Januar 1759 - † 21. Juli 1796 )
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Re: Lieblingsgedichte

Beitrag von garibaldi »

Ich verehre ganz besonders Robert Gernhardt, leider fällt mir gerade kein Gedicht spontan ein (ich neige nicht dazu, Gedichte auswendig zu lernen). Nehme ich derweil mit einem eigenen vorlieb:
Ich bin heut so prosaisch,
Mir fällt heut gar nichts ein,
Drum lass ich jetzt das Dichten sein.
Man möge mir verzeih'n ...

:roll:
maxima
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Re: Lieblingsgedichte

Beitrag von maxima »

[mod]Auf Wunsch der/des Verfasserin/Verfassers entfernt.[/mod]
maxima
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Re: Lieblingsgedichte

Beitrag von maxima »

Letzte Worte
Geliebte, wenn mein Geist geschieden,
So weint mir keine Träne nach;
Denn, wo ich weile, dort ist Frieden,
Dort leuchtet mir ein ew'ger Tag!

Wo aller Erdengram verschwunden,
Soll euer Bild mir nicht vergehn,
Und Linderung für eure Wunden,
Für euern Schmerz will ich erflehn.

Weht nächtlich seine Seraphsflügel
Der Friede übers Weltenreich,
So denkt nicht mehr an meinen Hügel,
Denn von den Sternen grüß' ich euch!

Annette von Droste-Hülshoff (1797 - 1848)
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Re: Lieblingsgedichte

Beitrag von algipsi »

Jägerliedchen für Walther Tell

Mit dem Pfeil, dem Bogen
Durch Gebirg und Tal
Kommt der Schütz gezogen,
Früh im Morgenstrahl.

Wie im Reich der Lüfte
König ist der Weih
Durch Gebirg der Klüfte
Herrscht der Schütze frei

Ihm gehört das Weite,
Was sein Pfeil erreicht,
Das ist seine Beute,
Was da fleugt und kreucht.



aus
Jägerliedchen für "Wilhelm Tell"

von
Fiedrich Schiller
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Re: Lieblingsgedichte

Beitrag von Adler »

Der Adler und die Schnecke
Gedicht von August Friedrich Langbein

Adler:
Wie find' ich dich, du träges Tier,
auf diesem Eichenwipfel hier?
Wie kamst du her? - So rede doch!

Schnecke:
Je nun, ich kroch.
...
Sein hohes Ehrenamt gewann
Nicht anders mancher Schneckenmann.


August Friedrich Langbein


:cool1
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