Der Horror hat einen Namen...Babesiose!!!!

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schlado
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Der Horror hat einen Namen...Babesiose!!!!

Beitrag von schlado »

Ich möchte hier unsere letzten Tage niederschreiben, in denen wir um das Leben unseres vierbeinigen Reisebegleiters Billy bangen mussten und gleichzeitig nochmals auf die Gefährlichkeit von Zecken aufmerksam machen.

Seit nunmehr zwei Wochen befinden wir uns nach einem dreiwöchigen Frankreichurlaub wieder in Kiel und versuchten uns…bis zum letzten Freitag…langsam wieder an den Alltag zu gewöhnen.

Am letzten Freitag stellte unser Vierbeiner seine Nahrungsaufnahme ein, ohne dass hierfür ein Grund erkennbar war. Sein Allgemeinzustand war zu diesem Zeitpunkt noch in Ordnung.

Einen Tag später lag Billy nur noch schlapp herum und hatte fast 41 Grad Fieber. Der Tierarzt nahm eine Blutprobe und spritzte ein fiebersenkendes Mittel, welches auch anschlug. Der Allgemeinzustand verbesserte sich spürbar, dennoch verweigerte er die Nahrung und wirkte immer noch ein wenig platt. Das Fieber war Samstagabend nicht mehr vorhanden.

Am Sonntagmorgen fieberte Billy wieder und war total platt. Der Tierarzt spritzte wiederum ein fiebersenkendes Mittel, daneben bekam Billy erstmals eine Infusion, da bei ihm eine beginnende Anämie (Blutarmut) zu erkennen war. Der Grund dafür war leider immer noch nicht bekannt.

Am Montag und Dienstag immer noch das gleiche Bild…Fieberschübe, keine Nahrungsaufnahme, Infusionen.

Dann erhielten wir am frühen Dienstagabend einen Anruf der Tierarztpraxis, die Ergebnisse der Blutuntersuchung würden vorliegen und wir sollten sofort erscheinen, damit der Arzt mit seiner Therapie beginnen könne. Voller Sorge fuhren wir zum Arzt, der uns mitteilte, dass Billy an einer Babesiose erkrankt sei und wir unmittelbar mit einer Therapie beginnen müssten. Gegen diese Krankheit würde ein Medikament namens Carbesia (Wirkstoff Imidocarb-Diproprionat) wirken, welches jedoch in Deutschland nicht zugelassen ist. Der Arzt verfügte glücklicherweise über eine letzte Ampulle, so dass wir Billy spritzen lassen konnten. Den Abend verbrachten wir bei dem spuckenden (eine Nebenwirkung des Medikamentes) und schwer Luft bekommenden Hund (Folge der Anämie).

In der Nacht beruhigte sich Billy und fiel in einen tiefen, ruhigen Schlaf. Der nächste Morgen hielt ein…für uns kaum zu fassendes Ereignis bereit...es erwartete uns ein quirliger Hund, der sogar anfing nach seinen Bröckchen zu betteln. Grandios.

Bis zum heutigen Tage hält dieser Zustand an. Der weitere Werdegang sieht so aus, dass Billy in 14 Tagen eine weitere Dosis des Präparates erhalten soll. Ich hoffe, dass wir diese und die dann folgende Zeit ohne weitere Komplikationen überstehen werden.

Die Babesiose wird durch einen Zeckenbiss (Auwaldzecke) übertragen und kann auch beim Menschen ausbrechen. Diese Zecken sind üblicherweise in Südeuropa beheimatet, aber aufgrund des immer wärmer werden Klimas sind diese vereinzelt auch schon immer weiter nördlich (bis zum Niederrhein) anzutreffen. Die Krankheit bricht ca. 7-10 Tage nach dem Zeckenbiss aus, demnach dürften wir uns die Zecke im Elsass eingefangen haben. Obwohl wir unseren Vierbeiner täglich nach Zecken abgesucht haben und er durch ein…bis dahin eigentlich immer gut wirkendes Mittel gegen Zecken „Frontline“ geschützt war, ist uns eine leider durchgerutscht, die ich viel zu spät in der Rute von Billy gefunden habe.

Neben der obigen Babesiose gibt es noch etliche weitere Krankheiten, die in südl. Ländern lauern und zum Teil auch für uns Menschen gefährlich werden können, z.B. Leischmaniose (durch den Stich/Saugen einer Sandmücke), Erlichiose (Zeckenbiss)…einfach mal googln (z.B. Mittelmeer Hundekrankheiten).

Ich möchte mit diesem Bericht die Sinne für diese Krankheiten wecken, damit Euch unsere bisherigen Erlebnisse erspart bleiben.

Neben dem Wissen um diese Krankheiten und deren Vorbeugung ist es daneben natürlich auch ganz wichtig einen guten Tierarzt zu haben…für den Fall der Fälle…hier ein besonderer Dank an die Tierarztpraxis Schlüter in Kiel.

Gruß aus Kiel
Ralf
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Re: Der Horror hat einen Namen...Babesiose!!!!

Beitrag von andalusa »

Oh Gott, da habt ihr ja ein Martyrium hinter euch, das ich mir überhaupt nicht vorstellen möchte.

Ich drücke die Daumen, dass sich Billy wieder vollständig erholt.

Wir benutzen auch immer Frontline allerdings Frontline Combo und außerdem ein Scalibor Band. Bis jetzt hatten wir immer Glück, Gott sei Dank.

Alles Gute weiterhin...
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Re: Der Horror hat einen Namen...Babesiose!!!!

Beitrag von Majaberlin »

Auch in Brandenburg gibt es diese Auwaldzecke inzwischen zu Hauf!
Wir haben bereits eine Studie mitgemacht, ich habe etlöiche lebende Zecken eingesandt, und diese waren frei von Babesien, das war aber Glück. Ein Teil der eingesandten Auwaldzecken aus Brandenburg hatte diese Erreger in sich. Unsere Hund brachten aus dem Landkreis um Beelitz viele Auwaldzecken mit, die sind größer als unsere Holzböcke und ein wenig gescheckt, zum Glück hatte sich keine festgesaugt, aber selbst am nächsten Tag nach dem Ausflug fanden wir noch welche in dem dicken Fell unserer Hunde. Ich habe auch gehörigen Respeckt vor diesen Zecken. Wir benutzen auch die Scaliborhalsbänder, aber es ist eben immer Gift - das sollte man nicht vergessen. Aus Angst vor diesen Mittelmeerkrankheiten bleiben wir auch lieber hier im Lande, aber wie beschrieben, ist man auch hier nicht mehr sicher. Also bei Unwohlsein des Tieres besser gleich zum TA und auf einen möglichen Zeckenbiß hinweisen!
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Re: Der Horror hat einen Namen...Babesiose!!!!

Beitrag von Aramis »

Hallo Ralf,

als Hundebesitzer können wir nachfühlen was ihr durchgemacht habt. Wir wünschen
weiter gute Besserung.

LG Gabi
Christian
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Re: Der Horror hat einen Namen...Babesiose!!!!

Beitrag von Christian »

DAs Frontline wirkt leider nicht mehr so doll, da die Mistviecher mittlerweile resistent dagegen sind, wir haben für unseren was anderes vom Tierarzt bekommen, was absolut klasse ist, unser Shadow hatte den ganzen Sommer durch keine einzige Zecke.
Lira
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Re: Der Horror hat einen Namen...Babesiose!!!!

Beitrag von Lira »

Na, da wart ihr ja wirklich zur richtigen Zeit beim richtigen Tierarzt. Herzlichen Glückwunsch dafür. Alles Gute für Hundi und Herrle und Fraule.
Wie ist das mit den Zecken - diese Krankheit - wie wirkt sich das auf den Menschen aus?
Als ich noch Hunde hatte, hatten diese bereits im März die ersten Zecken, bevor man schon Zeckenhalsband oder sonstwas verwendet hatte.
Und: ICH auch!!
Aus diesem Grund bin ich zwar gegen FSME geimpft, aber selbst die Borreliose kann schlimm verlaufen - ich kenne - kannte !! - zwei Menschen, die durch "sowas" zu Tode gekommen sind.
Von da her habe ich vor diesen Sauviechern allergrößten Respekt.

Ja, ich habe selber "regelmässig" Zecken, weil ich auch ohne Hund im Wald, auf Wiesen, Feldern und im eigenen Garten unterwegs bin.
Hab mich auch schon oft gefragt, was die in der Nahrungskette überhaupt zu tun haben. Welches Tier frisst Zecken? Warum gibt es sowas überhaupt?
Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema ...
Majaberlin
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Re: Der Horror hat einen Namen...Babesiose!!!!

Beitrag von Majaberlin »

Ich habe auch ab und zu mal eine Zecke, da ich ja viel im Wald mit den Hunden unterwegs bin und im Garten lauern die Viecher natürlich auch :roll: .
Man sollte die Stelle nach dem Entfernen der Zecke gut desinfizieren und bei beginnender Rötung besser den Arzt aufsuchen. Eine schnelle Antibiose hilft gut und schnell gegen die Borreliose. Aber je länger man wartet, desto gefährlicher werden die Borrelien. Manchmal treten Symptome auch sehr lange nach einem Zeckenbiß auf, sodaß man gar nicht mehr an den Zeckenbiß denkt. Auch ich habe schon von Todesfällen gehört, auch Blindheit und Lähmungen als Spätfolge.
Hier kann man vieles über die Borreliose lesen: http://www.avogel.de/extras/zecken/borreliose-lyme.php
Lira
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Re: Der Horror hat einen Namen...Babesiose!!!!

Beitrag von Lira »

Es ist leider auch so, dass man den Zecken nicht auf Anhieb feststellt. Der Biss tut nicht weh, die Viecher sind wasserresistent - selbst beim Duschen oder gar beim 1000-Meter-Schwimmen gehen sie nicht ab!
Wirklich nur eine Plage.
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