Flora hat geschrieben:Ich habe schon mehrmals den Stromanbieter gewechselt. Allerdings sind ab juni diesen Jahres wieder die Preise um über einen Cent pro kwh gestiegen.
Ich greife dieses Thema erneut auf, weil ich mich heute wieder fürchterlich über Unwissenheit geärgert habe. Ein Kunde von uns hatte gewechselt und stand heute auf der Matte und machte uns dafür verantwortlich dafür, dass er von uns weg gewechselt hat und nun beim neuen Anbieter für ein Jahr mit einem höhern Strompreis gefangen ist. „Wir hätten Ihn besser aufklären müssen“ war sein Argument..... und Ihr steckt alle unter einer Decke setzte er oben drauf.
Viele von Euch wissen, dass ich beruflich auch damit zu tun habe und mich genauestens auskenne. Wie blöd muss man denn nur sein, dass man nicht merkt oder nicht kapieren will, dass wir alle nur vom Staat verarsc.... werden? Gewerbetreibende wissen, was ich jetzt meine:
Stellt Euch vor Ihr habt einen Betrieb. Ihr kassiert (und das kostenlos ohne dass Ihr die Aufwendungen vergütet bekommt) für den Staat, die MwSt, die Lohnsteuer und führt auch noch Einkommensteuer ab. Wenn jetzt die MwSt erhöht wird, weis jeder, dass der Staat der Uhrheber allen Übels ist und die Mehrkosten aber irgendwie in Form von Steuern uns allen wieder zufließen.
Der Staat verfolgt nun aber weitere Ziele und Ihm reicht das Geld dafür nicht. Die Steuern zu erhöhen- hmmm das kostet Wählerstimmen und ein Solizuschlag geht auch nur einmal. Man erfindet die so genannte Strom- oder auch Ökosteuer. Diese muss vom Stromverbraucher und damit von uns allen bezahlt werden. Für das kostenlose Inkasso bedient man sich der Stromversorger, die machen das schon und das hat den Scharm, dass der doofe Bürger eben gar nicht blickt wer der wahre Verursacher ist. Das passt ja auch gut, wenn man auf Stromversorger schimpft, denn die haben keine Lobby, sie sind ein bestens geeigneter Sündenbock um politische Ziele zu erreichen- im Gegenzug gewährt man eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke, damit halten die schon die Klappe. Jetzt geht es weiter: Geld reicht dem Staat aber immer noch nicht, oh große Not was tun? Am besten ist es die Stromversorger wieder mal in die Pflicht zu nehmen. Neues Ziel: Es gibt einen großen politischen Gegner, der sehr erfolgreich mit Umweltthemen Wählerstimmen kassiert. Dem gilt es in allererster Linie mal etwas entgegen zu setzen. Man schafft dass Erneuerbare- Energien- Gesetz (EEG) und das Kraft- Wärme- Kopplungsgesetz (KWKG). Dazu verpflichtet man die Stromversorger erneut das notwendige Geld einzukassieren und obendrein auch noch wieder zu verteilen. Jetzt heißt das Baby nicht mehr Steuer, sondern Umlage. Die irren- volkswirtschaftlich nicht mehr vertretbaren Kosten müssen die bösen Stromversorger bei Ihren Kunden eintreiben und da jetzt ganz viele sich Fotovoltaikanlagen aufs Dach schrauben (ich bin auch so ein Böser) und in Windkraftanlagen investieren, wird dieser Zuschlag von Jahr zu Jahr höher und höher und der Staat zeigt wiederum auf die bösen Stromversorger, weil die Ihre Preise anheben. Aber das reicht ja immer noch nicht Städte und Kommunen wollen und brauchen auch Geld... Dazu hat man ein Konzessionsabgabegesetz (KA). Darin verpflichtet man die Netzbetreiber für die Kommunen- ebenfalls kostenlos vom Kunden Geld zu kassieren und dieses Geld der Kommunen oder der Stadt zu zuführen. Und weil bei dem ganzen Steuer und Umlagengewirr, der doofe Kunde sowieso nicht durchblickt, kommt auf alle Steuern und Umlagen auch noch einmal die MwSt drauf.
Monopolisten- das klingt in den Ohren wie Diktatur und Unterdrücker. Man hat diese Unternehmen im April 1998 zerschlagen und zwar in Netz und Vertrieb, um damit den angeblich freien Markt aufzubauen. Früher wurden die Strompreise über die Wirtschaftsministerien der Länder genehmigt. Für den freien Markt gibt es als Kontrollorgan die Bundesnetzagentur, die Netzentgelte regelt und mit Argusaugen darüber wacht, dass der frei Markt auch funktioniert. Tut er aber nicht und kann er auch gar nicht- warum schreibe ich später. Dazu gibt es zwischen den Marktteilnehmern von der Bundesnetzagentur ganz genau festgelegte Spielregeln die peinlichst genau beachtet werden müssen und im Rahmen der Bürokratie Unsummen an Geld kostet, was natürlich auf den Strompreis wieder aufgeschlagen werden muss. Der doofe Endverbraucher bezahlt das aber ohne murren, während der Stinkefinger auf die bösen Stromversorger gerichtet wird, die ja die Stromkosten so teuer machen. Das tolle dabei ist, man kann am Stammtisch darüber reden, die Medien haben einen Buhmann und die Politik (Verursacher) ist fein raus. Außerdem können sich Mitmenschen damit profilieren „Ich habe gewechselt“
Nachdem wir nun etwas über die Steuern, die Umlagen wie EEG, KWKG und KA auch über den Transport des Stromes (Netzkosten) gehört haben, wissen wir, dass diese Kosten weder von uns noch von den bösen Stromversorgern beeinflusst werden können und für jeden, der mit Strom handelt als Kostenblock in gleicher Höhe auftritt. Aber wir bekommen ja von unseren guten Politikern ständig erzählt: „Ihr müsst wechseln, damit der Markt in Bewegung kommt und damit die Preise fallen“. Bleibt da tatsächlich noch die Energie, also der eigentliche Strom, nur den können wir nutzen und nur für den Interessieren wir uns eigentlich und nur für dieses Strompreiselement existiert freier Markt oder nicht? Da gibt es doch tatsächlich eine böse Strompreisbörse kurz EEX genannt:
http://www.eex.com/de/Marktdaten/Handel ... /a/-/0/0/-
Die Grafik zeigt nur das Baseload. Der tatsächliche Energiepreis wird durch das synthetische Lastprofil (Beim Haushalt H0) mit weiteren EEX- Produkte Peakload, Offpeak..... errechnet.
Und für jede Kilowattstunde die wir verbrauchen, wird der Preis für alle Bösen, die damit handeln dort gemacht. Das heißt ja fast 100% des Strompreises ist fest und damit nicht verhandelbar. Was soll daher die Forderung der Politik nach Wettbewerb? Wie soll Wettbewerb unter diesen Rahmenbedingungen funktionieren? Und ist das nicht geheuchelt wenn man von Wettbewerb spricht, deren Rahmenbedingungen man nicht geschaffen hat?
Fassen wir mal zusammen: Die Staatsquote in Form von Umlagen und Steuern machen über 50% des Strompreises aus und sind nicht beeinflussbar. Weitere 25 % sind Netzentgelte die wiederum nicht beeinflussbar sind und nur 25% des Strompreises ist verhandelbar, wird aber größtenteils über die Börse vorgegeben. Das ist doch ein toller Markt oder?
Und ich kann nur jeden vor Verträgen mit Vorkasse waren, denn:
1. Stichwort Schneeballsystem
http://www.derwesten.de/nachrichten/wir ... 55784.html
2. Gehen die Pleite ist das vorausbezahlte Geld kaputt und der Strom muss unter Umständen noch einmal bezahlt werden.
3. Kein Service und viel Ärger
http://www.strom-magazin.de/forum/board ... om-87.html
Und wer jetzt bis hierher mit Verstand gelesen hat, für den habe ich die nachfolgende Grafik der Strompreiselemente mal zusammen gestellt.
http://www.bilder.hei-ka.de/Fotos/Strompeiselemete.jpg
Weiterhin könnt Ihr Euch spezifisch für Euren Anbieter mal die einzelnen Strompreiselemente errechnen und anzeigen lassen. Dafür habe ich ein kleines Excelprogramm erstellt, was Ihr hier runterladen könnt. In die roten Felder gebt Ihr Euren Verbrauch und den Arbeitspreis ein, in die blauen Felder könnt Ihr die Netzentgelte eintragen. Die findet Ihr auf der Homepage Eures Netzbetreibers. Wenn Ihr dabei nicht sicher seid, lasst die Defaultwerte stehen, sie sind ein Durchschnitt und stimmen in etwa.
http://www.bilder.hei-ka.de/Fotos/Strom ... emente.xls
Und nun viel Spaß, ich hoffe Ihr seid jetzt nicht von der Wahrheit enttäuscht denn es reicht, wenn ich es bin, weil ich mir von gewissen Kreisen „auf den Arm genommen“ vorkomme. Und noch etwas die Scheinliberalisierung des Strommarktes hat preislich und volkswirtschaftlich überhaupt nichts gebracht. Es hat die Bürokratie erhöht und die Kosten für den Endverbraucher deutlich erhöht.